Welche Kapazitäten und Strukturen brauchen Krankenhäuser?

Welche Auswirkungen hat die sicherheitspolitische Zeitenwende auf die medizinische Versorgung in Deutschland? Mit dieser Frage beschäftigten sich am vergangenen Montag Mitarbeitende aus dem DIAKO Krankenhaus Bremen. Zu Gast war Flottenarzt Dr. Dirk Möllmann, Leiter des Sanitätsunterstützungszentrums Wilhelmshaven. Er gab zunächst einen Überblick über die aktuelle sicherheitspolitische Lage und die daraus entstehenden Anforderungen an die Bundeswehr und das zivile Gesundheitswesen. Ein Schwerpunkt seines Vortrags waren die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg und aus Afghanistan und deren Bedeutung für die Versorgung von Verwundeten und Verletzten.

Dabei ging es neben typische Verletzungsmuster, und der Versorgung großer Patientenzahlen auch um die Gefährdung kritischer Infrastruktur und von IT-Systemen. Auch Krankenhäuser müssten sich auf mögliche hybride Bedrohungen und besondere Krisenlagen einstellen.

Nach den im Vortrag vorgestellten Planungen der Bundeswehr müsste im Fall eines größeren Konflikts mit bis zu 1.000 Patientinnen und Patienten pro Tag gerechnet werden. Dafür wären rund 14.000 bis 15.000 Akutbetten, darunter etwa 2.000 High-Care-Betten einschließlich Verbrennungsmedizin, sowie rund 10.000 Rehabilitationsbetten erforderlich.

Zivile Krankenhäuser unverzichtbar

„Eine solche Versorgung kann nicht allein durch militärische Strukturen gewährleistet werden“, betonte Dr. Möllmann und stellte klar: „Die enge Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr, zivilen Krankenhäusern und Hilfsorganisationen ist daher von entscheidender Bedeutung.“ Gleichzeitig müssten die zivilen Kliniken ihre eigene Versorgung aufrechterhalten. „Wir können nicht einfach Personal aus den Kliniken herausnehmen“, erklärte Dr. Möllmann. Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung der Krankenhauslandschaft kritisierte der Flottenarzt, dass einerseits über die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit gesprochen werde, andererseits aber medizinische Kapazitäten und Krankenhausstandorte reduziert würden. Aus seiner Sicht müsse die Krankenhausplanung daher auch die Anforderungen an die Versorgung in Krisen- und Verteidigungsfällen berücksichtigen. Deutschland als mögliches Transitland müsse sich auf große Menschen- und Materialströme sowie mögliche Störungen kritischer Infrastruktur einstellen. Die Resilienz des Gesundheitswesens müsse deshalb insgesamt gestärkt werden. Neben militärischen Kapazitäten seien Investitionen in die zivile Infrastruktur, materielle Ausstattung, Ausbildung und Organisation notwendig. Auch bestehende Netzwerke wie die Traumanetzwerke müssten konsequent eingebunden und gemeinsam beübt werden.

Austausch über konkrete Herausforderungen

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um die Bevorratung von Blut und Sanitätsmaterial, Transport- und Aufnahmekapazitäten, die Verfügbarkeit von Pflege- und Assistenzpersonal sowie die Vorbereitung auf besondere Bedrohungslagen. Das Assistenzpersonal bezeichnete Dr. Möllmann dabei als ein wesentliches „Nadelöhr“. Als zentrale Handlungsfelder nannte er verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen, belastbare Netzwerke zwischen Bundeswehr und zivilem Gesundheitswesen, regelmäßige gemeinsame Übungen, ausreichende Material- und Blutreserven sowie ein verlässliches Lagebild zur Gesundheitsversorgung. Die zentrale Botschaft: Eine resiliente Gesundheitsversorgung braucht leistungsfähige zivile Krankenhäuser und eine enge Verzahnung aller beteiligten Akteure. „Es wird eine gewaltige Herausforderung auf uns zukommen“, fasste Dr. Möllmann zusammen.

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