Dr. Martin Sommerauer
Ab dem 40. Lebensjahr kommt es zu gutartigen Wucherungen des Drüsengewebes der Prostata. Die Harnröhre, die durch die Prostata verläuft, kann dadurch eingeengt werden, was zu Beschwerden beim Wasserlassen führt. Das Ausmaß der Beschwerden ist dabei unabhängig von der Gesamtgröße der Prostata. Die Ursache für die Wucherungen ist nicht komplett geklärt. Man geht davon aus, dass eine Veränderung des Hormonhaushaltes im Laufe des Lebens des Mannes eine zentrale Rolle spielt.
Grundsätzlich wird hier zwischen den Symptomen der Blasenentleerung und Symptomen der Blasenspeicherung unterschieden. Typische Symptome sind ein abgeschwächter oder verzögerter Harnstrahl, Nachträufeln, Restharnbildung bis hin zum akuten Harnverhalt. Bei den irritativen Problemen (Blasenspeicherung) kommt es zu einem häufigen Harndrang, dieser wird insbesondere nachts als sehr unangenehm empfunden (Nykturie).
Bei der gutartigen Prostatavergrößerung kann es zu wiederholten Harnwegsinfektionen kommen, begünstigt wird dies auch durch einen zunehmenden Restharn. Die Restharnbildung kann bis zu einem akuten Harnverhalt führen, der eine notfallmäßige Kathetereinlage erforderlich macht. Typische Komplikation sind auch die Bildung von Blasensteinen. Im Extremfall kann die zunehmende Restharnbildung bis zu einem Rückstau in den Nieren führen. Dadurch kann eine Funktionsverschlechterung der Nieren auftreten.
Zunächst erfolgt ein Gespräch mit den Patienten und die Erfassung der kompletten Krankengeschichte, die Anamnese. Es schließen sich hier Urin- und Blutuntersuchung an. Auch die Ultraschalluntersuchung der Nieren, der Harnblase und der Prostata gehören zur Basisdiagnostik. In bestimmten Fällen ist auch eine Blasenspiegelung oder eine Urodynamik erforderlich. Um das Ausmaß der Beschwerden zu objektivieren kann ein Fragebogen hilfreich sein >>
Die Therapie der gutartigen Prostatavergrößerung richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden. Bei nur sehr geringen Beschwerden oder vorbeugend kommen Phytotherapeutika (pflanzliche Medikamente) zum Einsatz. Einen wissenschaftlichen Nachweis zum Nutzen dieser Medikamente gibt es allerdings nicht.
Es gibt folgende Medikamente mit wissenschaftlich nachgewiesenem Nutzen bei den Beschwerden der gutartigen Prostatavergrößerung:
Diese Medikamente können alleine oder auch in Kombination eingenommen werden. Über die jeweiligen Vor- und Nachteile sowie die Nebenwirkungen informiert Ihr Urologe Sie im persönlichen Gespräch.
Reicht die Wirkung der medikamentösen Therapie nicht mehr aus oder ist es zu einem wiederholten Harnverhalt oder anderen Komplikationen gekommen, kann eine Operation erforderlich sein.
Der Goldstandard zur operativen Therapie der gutartigen Prostatavergrößerung ist nach wie vor die TUR-P. Dieses operative Verfahren kommt seit ungefähr 100 Jahren zum Einsatz und ist in der Zwischenzeit technisch immer weiterentwickelt worden, sodass der Einsatz sehr sicher erfolgen kann. In der Operation wird über die Harnröhre Gewebe aus der Prostata mittels einer elektrischen Schlinge abgetragen.
Zusätzlich zu diesen Standardverfahren bieten wir unseren Patienten eine Laserenukleation mit dem Thuliumlaser an. Bei dieser Operation wird das gutartig vergrößerter Gewebe über die Harnröhre von der Prostatakapsel gelöst. Die Gewebsstücke werden dann in die Blase verbracht und dort mit einem Morcellator zerkleinert, entfernt und zur histologischen Untersuchung eingesandt.
Ein offenes operatives Verfahren mit einem kleinen Unterbauchschnitt (Adenomektomie) ist nur bei sehr großen Prostatadrüsen erforderlich. Dieses Verfahren wird nur noch sehr selten eingesetzt.
Als minimal invasives Behandlungsverfahren setzen wir bei unseren Patienten eine Wasserdampftherapie (Rezum) ein. In einer sehr kurzen Narkose wird über eine Nadel Wasserdampf in die Prostata appliziert. Die im Wasserdampf gespeicherte Energie wird in der Prostata freigesetzt und führt letztlich zum Absterben des überschüssigen Prostatagewebes. Im Rahmen des natürlichen Heilungsprozesses wird dieses Gewebe vom Körper selbst abgebaut und die Harnröhre weitet sich entsprechend. Dadurch verringern sich die Symptome. Dieser Prozess dauert in der Regel zwei Wochen, in Ausnahmefällen kann es auch länger dauern.
Für den Heilungsprozess nach einer Prostataoperation sollte man vier bis sechs Wochen einplanen. In dieser Zeit bildet sich eine neue Schleimhaut im Operationsgebiet. In dieser Phase kann es noch zu Blutbeimengung im Urin kommen, es können Harnwegsinfektionen und häufiges Wasserlassen auftreten. Auf das Tragen schwerer Lasten, übermäßige körperliche Anstrengung, Fahrradfahren und Saunagänge sollte in dieser Zeit verzichtet werden.
Sollten Sie gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, muss im Vorfeld geklärt werden, ob diese für eine gewisse Phase pausiert werden können.
Dr. Martin Sommerauer, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am DIAKO, hält regelmäßig Vorträge unter dem Titel „Prostata im Fokus". Der Vortrag stellt sowohl die Möglichkeiten der Vorsorge und Diagnostik dar, als auch die Optionen der medikamentösen und operativen Behandlung für dieses Krankheitsbild. Interessierte finden weitere Informationen auf der Website der DIAKO Gesundheitsimpulse.