Frauke Schukat arbeitete zehn Jahre lang als freiberufliche Hebamme in Aufnahmestellen für Geflüchtete in Bremen und drei Jahre lang in der Entwicklungshilfe im Jemen. Für ihre Arbeit mit an Covid-19-erkrankten schwangeren Geflüchteten wurde sie 2021 vom Bremer Landesfrauenrat als Frau des Jahres ausgezeichnet. Ihre langjährige Erfahrung mit schwangeren Geflüchteten aber auch besonders die Erfahrungen aus der Pandemiezeit bringt sie nun seit einem Jahr auch mit ins DIAKO-Kreißsaal-Team ein.
„Durch meine Zeit im Jemen spreche ich noch etwas arabisch, sehr viele Frauen sprechen wiederum sehr gut englisch, und zur Not gelingt die Kommunikation mit geflüchteten Frauen auch immer mit Händen, Füßen und viel Humor“ erzählt die Hebamme. Im DIAKO Krankenhaus Bremen kommen viele Frauen zur Geburt, die verschiedene Sprachen sprechen und verschiedene Herkunftsländer haben. Hier hilft die Erfahrung von Frauke Schukat natürlich in der alltäglichen Arbeit.
„In der Aufnahmestelle für Geflüchtete, gab es zu Beginn der Corona Pandemie einen großen Covid 19 Ausbruch, was eine wochenlange Quarantäne für alle Bewohnerinnen und Bewohner zur Folge hatte.“ erzählt sie. „Es war für alle eine große psychische Belastung, gerade für die schwangeren Frauen und die Wöchnerinnen mit ihren Neugeborenen. Sie waren nicht nur in einem fremden Land, weit weg und ohne Anbindung an ihre Familien, sondern dann auch noch in Quarantäne wegen eines potenziell tödlichen Virus“ Es sei viel Aufklärungsarbeit nötig gewesen, weil viele Frauen sehr große Angst hatten – um sich, aber noch viel mehr um ihre Kinder.
Es war für alle Betroffenen eine sehr herausfordernde Zeit. Die angespannte Situation in der Aufnahmestelle sei für alle sehr schwer auszuhalten gewesen – die Frauen sind in den Zimmern oft so lange isoliert gewesen, ohne eine Möglichkeit der Beschäftigung, dass manche von ihnen suizidale Gedanken hatten, Fluchtpläne schmiedeten oder keine Nahrung mehr zu sich nahmen.
„Umso wichtiger waren dann meine Besuche als Hebamme im Zimmer. Ich bin gekommen und habe gefragt, wie geht es Die, wie geht es Deinem Kind? Hast Du schon einen Namen für Dein Kind? Worauf freust Du dich, wenn dein Kind geboren ist? Um so den Fokus weg von der bedrohlichen Situation hin zur Schwangerschaft zu lenken.“
Im Falle einer weiteren Pandemie würde sie sich auf jeden Fall für eine menschenwürdigere Quarantäne einsetzen. „Man muss auch immer ein Augenmerk auf die psychische Situation der Betroffenen legen und sie nicht nur Wegsperren“, betont die Hebamme. Es gehe ihr um Menschlichkeit – diese auch in einer Extremsituation, wie einer Pandemie nicht zu vergessen. Umso erfreulicher ist es, dass unsere Gesellschaft sich immer mehr auf solche Extremfälle und Krisensituationen vorbereitet. „So wie beispielsweise die Pandemiestation im DIAKO, die im Falle einer Pandemie umgehend aktiviert und getrennt vom restlichen Haus betrieben werden kann. So müsste man keine Not-Quarantänen im Zimmer mehr verhängen. Ich würde mir so eine respektvollere und ganzheitlichere Versorgung aller Betroffenen wünschen.“ so die Hebamme.
Aber auch unabhängig von einer Pandemie möchte Frauke Schukat in ihrer Funktion als Hebamme die Frauen und ihre Kinder wahrnehmen und für sie da sein, vor, während und nach der Geburt. „Ich freue mich, dass ich als Teil des Kreißsaals-Teams eben diese Arbeit fortsetzen kann. Ich empfinde die Arbeit als Hebamme nach wie vor als sehr bereichernd.“