Menschen mit hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit haben Probleme am Alltagsleben teilzunehmen. Sei es, dass sie Probleme beim Führen von Gesprächen haben, sei des, dass sie weder Radio noch Fernseher hören bzw. verstehen können oder aber Warngeräusche, z.B. im Straßenverkehr, nicht wahrnehmen.
Und wie ist es mit taub geborenen Kindern oder frühzeitig ertaubten Kindern und Jugendlichen? Sie haben ohne Hilfen keine Chance, eine Lautsprache zu erlernen und sind auch im weiteren Verlauf ihres Lebens beruflich, sozial und privat sehr eingeschränkt.
Hörprobleme können viele unterschiedliche Ursachen haben. Eine Schwerhörigkeit kann unter anderem an einer Erkrankung im Mittelohr liegen, bei der es zu einer Störung der Schallübertragung auf das Innenohr kommt. Diese kann eventuell operativ behoben werden. Des Weiteren gibt es heutzutage sehr gute Hörhilfen in Form von Hörgeräten, die bei einer Schwerhörigkeit die Hörfähigkeit des Betroffenen so sehr verbessern, dass eine Kommunikation gut möglich ist.
Kinder oder Erwachsene, welche jedoch taub geboren werden oder aber aufgrund einer Erkrankung hochgradig schwerhörig werden, denen mit konventionellen Hörgeräten oder durch eine Mittelohroperation aufgrund des Hörverlustes keine ausreichende Hörinformation vermittelt werden kann, haben heutzutage die Möglichkeit, sich eine elektronische Hörhilfe implantieren zu lassen, das sogenannte Cochlea-Implantat.
Cochlea-Implantate sind elektronische Prothesen, die die Funktion der ausgefallenen Hörsinneszellen im Innenohr übernehmen. Dabei wird der Schall über ein Mikrophon aufgenommen und in eine Abfolge elektrischer Impulse codiert. Diese künstlichen Impulse werden auf den noch intakten Hörnerv übergeleitet. Die so ausgelösten Höreindrücke können vom Betroffenen allmählich verstanden und interpretiert werden. Auf diese Weise sind ein Sprachverstehen bei Erwachsenen und zusätzlich der Spracherwerb bei Kindern grundsätzlich möglich.
Vor der Implantation eines Cochlea-Implantates steht jedoch die Erhebung der Krankengeschichte, eine umfangreiche Untersuchung und diverse apparative Tests, um herauszufinden, ob der betroffene Mensch sich für solch eine Operation eignet. Zu diesen Untersuchungen zählen u.a. Teste des Hörens und des Sprachverstehens, Überprüfung der Leitfähigkeit des Hörnervens sowie bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie und eine Magnetresonanztomographie. Sprechen alle Untersuchungen für eine Operation, so wird der nächste Schritt gegangen. Aufklärung über die Operationsrisiken, Vorstellung von verschiedenen Implantatsorten sowie Erläuterung wie es nach einer Cochlea-Implantat Operation weiter geht, denn die Operation an sich ist nur ein Schritt zum Hören.
Ein Cochlea-Implantat setzt sich aus zwei Teilen zusammen.
Ein Teil wird operativ in die Ohrschnecke eingesetzt und im Knochen des Kopfes befestigt.

Der zweite Teil wird wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen und bekommt mit Hilfe eines Kabels und einer magnetischen Spule Kontakt zum ersten Teil, der durch die Operation eingefügt wurde.
Die Operation wird im Ev. Diakoniekrankenhaus in Vollnarkose durchgeführt und dauert ca. 2-3 Stunden. Nach einer solchen Operation ist ein stationärer Aufenthalt von 5-10 Tagen notwendig, bei welchem regelmäßige Wundkontrollen und die Gabe eines Antibiotikums zur Infektprophylaxe erfolgen. Bevor das Implantat benutzt werden kann, vergehen 4-6 Wochen, denn das Implantat muss erst komplett eingeheilt und die Schwellung, die durch eine Operation entsteht, zurückgegangen sein.
Nach 4-6 Wochen wird die Hörhilfe das erste mal angeschaltet. Eine Enttäuschung ist vorprogrammiert, wenn man erwartet, dass man von Anfang an „normal“ hört. Zunächst werden nur Geräusche wahrgenommen. Langsam aber sicher hört und versteht man immer mehr, wobei das Hören neu gelernt werden muss. Dafür ist eine ambulante Hör- und Sprachtherapie vorgesehen, welche bei uns durch eine erfahrene Sprachheilpädagogin durchgeführt wird. Das Hören wird über einen Zeitraum von bis zu 2 Jahren durch diese Hör– und Sprachtherapie geschult und das Gehirn auf die durch das Cochlea-Implantat gesendeten Reize eingestellt. Dazu sind anfangs mehrere Therapiesitzungen in der Woche notwendig. Auch die elektronische Einstellung im Cochlea-Implantat muss den Bedürfnissen des Einzelnen regelmäßig angepasst und verbessert werden, bis der Cochlea-Implantatträger das Gefühl hat mit einer Einstellung optimal zu hören. Ist dieses Ziel erreicht, so sind Kontrollen nur noch ein Mal pro Jahr notwendig.
Sprechzeiten für Cochlea Implantate bieten wir jeden zweiten Donnerstag ab 14.30 Uhr nur nach vorheriger telefonischer Vereinbarung an: 0421-6102-1301.
Bildnachweis:
Firma Cochlear (Hannover)
Firma Med-El (Innsbruck)

1 = Sprachprozessor, 2 = Cochlea Implantat, 3 = CI-Elektrode, 4 = Hörnerv.



