Wie ist krankhafte Fettsucht definiert ?
Von krankhafter Fettsucht spricht man:
Warum operative Behandlung bei krankhafter Fettsucht ?
Es gibt eine Vielfalt von Gründen, die den Wunsch auf eine deutliche Gewichtsreduktion bei krankhafter Fettsucht verständlich machen. Den Betroffenen stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, wobei konservative Maßnahmen wie Diäten, Bewegungstherapie, Psychotherapie, Hypnose und Akupunktur zunächst im Vordergrund des Behandlungsspektrums stehen. Leider führen konservative Therapiemaßnahmen bei der krankhaften Fettsucht häufig nur zu einer kurzfristigen und unzureichenden Gewichtsreduktion. Hier bietet sich in ausgewählten Fällen die Möglichkeit einer chirurgischen Intervention.
Welche Untersuchungen sind zur Abklärung einer operativen Behandlung sinnvoll ?
Zur Abklärung der Möglichkeit einer operativen Therapie sind eine Reihe funktionellerUntersuchungen durch verschiedene Fachdisziplinen erforderlich, die in der Regel ambulant erfolgen können. Hierzu gehören:
Darüber hinaus können weitere Untersuchungen notwendig werden, falls sich bei den genannten Untersuchungen Unklarheiten ergeben. Nachfolgend muss dann die Frage der Kostenübernahme mit der jeweiligen Krankenkasse geklärt werden, dies sollte der jeweilige Patient bereits in eigener Regie veranlassen.
Terminvereinbarung und Information bezüglich der notwendigen Diagnostik erhalten Sie durch die Sprechstunde unseres Interdisziplinären Bauchzentrum (IBZ).
Was bewirkt der operative Eingriff ?
Operative Eingriffe am Magen zur Behandlung der krankhaften Fettsucht haben zum Ziel, die Nahrungsaufnahme und/oder die Absorption der Nahrung im Magen-Darm-Kanal einzuschränken. So wurden bereits 1950 sogenannte "Bypass-Operationen" durchgeführt, die durch Ausschaltung eines Dünndarmsegmentes zu einer verminderten Nahrungsverwertung bei gleicher Nahrungszufuhr führten. Da hierdurch jedoch tiefgreifende Veränderungen der Anatomie und Physiologie geschaffen wurden, kam es zum Auftreten entsprechend hoher Komplikationsraten. Dr. Lubomyr I. Kuzmak, Chirurg in Livingston/New Jersey (USA), entwickelte 1983 das Silikon-Magenband System. Weitere Verbesserungen dieses Bandsystems führten bis 1986 zum heute angewandten verstellbaren Silikon-Magenband. Dieses besteht aus einem 13 mm breiten, gewebefreundlichen Silikonband, das zu einem etwa 10 cm im Durchmesser großen Ring geschlossenen werden kann. Das mit Flüssigkeit füllbare Band wird laparoskopisch (per Bauchspiegelung) um den oberenMagenanteil gelegt, wodurch der Magen in zwei ungleich große Teile aufgeteilt wird. Es entstehen so ein etwa 30 ml fassender kleiner "Vormagen" (Pouch) und ein voll funktionsfähiger großer "Restmagen". "Vormagen" und "Restmagen" sind über eine etwa 10 mm große Öffnung, die man auch Stoma nennt, verbunden. Durch Injektion von Flüssigkeit (Kochsalzlösung) über ein unter der Haut im Fettgewebe implantiertes Reservoir mit Schlauchverbindung zum Silikon-Magenband kann der Stomadurchmesser auch jederzeit postoperativ noch variiert werden (siehe Abbildung).
Welche Vorteile bietet das verstellbare Magenband ?
Das verstellbare Magenband System ist:
Wann kommt die operative Platzierung eines Magenbandes in Frage ?
Die Operation wird erwogen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
Diese Kriterien sind als Mindestanforderungen zu verstehen, für die definitive Entscheidung für oder auch gegen die Operation müssen alle individuell vorhandenen Faktoren gewürdigt werden. Nähere Einzelheiten erfahren Sie in unseren Aufklärungsgesprächen.
Krankenhausaufenthalt und Operation :
Bei einem Vorstellungstermin in der Sprechstunde unseres Interdisziplinären Bauchzentrums (IBZ-Sprechstunde) werden die bei Ihnen bereits erhobenen Untersuchungsergebnisse besprochen, ggf. werden dann noch notwendige Zusatzuntersuchungen durchgeführt bzw. veranlasst, Sie werden von uns über das Operationsverfahren unterrichtet, durch den Narkosearzt untersucht und über das Narkoseverfahren aufgeklärt, und Sie erhalten schließlich einen Termin zur stationären Aufnahme zur Operation.
Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose. Über insgesamt 5 kleine Hautschnitte verschafft man sich Zugang zum Magen. Unter Sicht einer Videokamera wird das verstellbare Magenband um den oberen Magenanteil herum gelegt und durch Nähte in seiner Position fixiert. Anschließend wird das Injektionsreservoir mit dem zum Magenband führenden Verbindungsschlauch im Fettgewebe unter der Haut implantiert. Danach werden die kleinen Hautschnitte mit Nähten verschlossen und mit einem sterilen Pflaster verbunden.
In der ersten Phase nach der Operation bleiben Sie nüchtern und erhalten Infusionen. Mit dem Kostaufbau wird nach ärztlicher Beurteilung begonnen. Bereits während Ihres stationären Aufenthaltes in unserer Klinik wird Ihnen ein speziell auf Sie abgestimmter Ernährungsplan erarbeitet, für den eine Ernährungsberaterin hinzugezogen wird. Bewegung fördert Ihre rasche Genesung von der Operation und unterstützt Sie, Ihrem Fernziel näher zu kommen. Die durchschnittliche Dauer des Krankenhausaufenthaltes beträgt bei problemlosem postoperativen Verlauf etwa 7 Tage.
Welche allgemeinen Hinweise zum Verhalten nach Platzierung eines
Magenbandes sind zu beachten ?
In den ersten 6 bis 8 Wochen nach der operativen Implantation des Magenbandes sollten Sie nicht schwer heben, um die Wundheilung nicht zu gefährden. Gerinnungshemmende Medikamente wie Aspirin oder Marcumar sollten, wenn möglich, gemieden werden, da Sie den Magen reizen können. Bei Entlassung aus der stationären Behandlung erhalten Sie eine Registrierkarte, die Sie im Notfall als Träger eines verstellbaren Silikon-Magenbandes ausweist. Bitte führen Sie diese Karte immer mit sich. Eine erste Wiedervorstellung in unserer Klinik zur Verlaufskontrolle ist 3 Wochen nach Entlassung aus der stationären Behandlung geplant. Zu diesem Zeitpunkt wird erstmals entschieden, ob das Magenband zur weiteren Einengung des Stomaszusätzlich mit Flüssigkeit gefüllt werden muß. Die Entscheidung hierüber wird in Abhängigkeit des bisher erreichten Gewichtsverlustes und der maximal noch möglichen Nahrungsaufnahme getroffen. Bei späteren Verlaufskontrollen kann das Stoma durch Flüssigkeitsabnahme ggf. auch wieder vergrößert werden. Der Heilungsverlauf und damit auch das Erreichen Ihrer Zielsetzung hängen im Wesentlichen davon ab, daß Sie den Anweisungen und Ratschlägen Folge leisten.
Welche Risiken sind mit der operativen Patzierung eines Magenbandes verbunden ?
Die operative Plazierung des verstellbaren Magenbandes ist eine größere Operation, die mit nicht unerheblichen Risiken einhergeht (10 - 15%). Neben den allgemein gültigen Operationskomplikationen wie Blutungen, Gefäß-, Nervenverletzungen, Thrombosen, Embolien und Wundheilungsstörungen, muß insbesondere auf die Gefahr einer Bandverschiebung (Dislokation) und damit einhergehenden Schluckstörungen hingewiesen werden. Eine erneute Operation zur Entfernung des Magenbandes kann erforderlich werden. Verletzungen an Magen, Milz oder Leber sind möglich. Größere Komplikationen während der laparoskopischen Platzierung des verstellbaren Magenbandsystems können einen sofortigen Umstieg zur offenen Operation mit großem Bauchschnitt erforderlich machen. Dies erhöht das allgemeine Komplikationsrisiko.
Grundsätzlich muß betont werden, daß ein Gewichtsverlust durch diese Operationallein keinesfalls garantiert werden kann. Das endgültige individuelle Ergebnis der Therapie hängt von vielerlei Faktoren ab, für die wir versuchen, die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen. Unabdingbare Voraussetzung für jeglichen Erfolg ist jedoch eine bedingungslose Bereitschaft des Patienten, die nach derzeitigem Kenntnisstand wahrscheinlich lebenslang notwendige Belassung des Magenbandes und damit verbundene geänderte Essensgewohnheiten zu tolerieren und beizubehalten.
