Was ist Achalasie ?
Achalasie ist eine gutartige Funktionsstörung der Speiseröhre und des unteren Schließmuskels der Speiseröhre zum Magen, bei der es durch eine fehlende oderunvollständige Erschlaffung des Schließmuskels und gleichzeitig bestehendePumpfunktionsstörung in der Speiseröhre zu einer Transportstörung von Nahrungs-bestandteilen in den Magen kommt, hierbei kann es zu einer erheblichen Aufweitungder Speiseröhre kommen, wie es das nebenstehende Röntgenbild zeigt.Typischerweise klagen Patienten über Schluckschwierigkeiten unterschiedlichen Ausmaßes.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und wann ist eine operative Behandlung sinnvoll ?
Grundsätzlich stehen medikamentöse (Calcium-Antagonisten), endoskopische (endoskopisch pneumatische Dilatation), Kombinationen dieser beiden (endoskopische Injektion von Botulinus-Toxin) und operative Behandlungen (Heller-Myotomie) zur Verfügung. Welche Behandlungsform in welcher Situation das empfohlene Verfahren darstellt, sollte sehr individuell durch Kenntnis der bisherigen Behandlungen, Leidensdruck des Patienten, aktuelle Funktionsuntersuchungen und die Wahl desPatienten nach entsprechender Aufklärung über die unterschiedlichen Therapie-optionen entschieden werden.
Welche Untersuchungen sind zur Abklärung einer operativen Behandlung sinnvoll ?
Zur Abklärung der Möglichkeit einer operativen Therapie sind eine Reihe endoskopischer und funktionsdiagnostischer Untersuchungen erforderlich, die in der Regelambulant erfolgen können. Hierzu gehören :
1. eine ausführliches Gespräch zu Beschwerden und bisherigen Behandlungen
2. eine endoskopische Untersuchung des Magen-Darm-Traktes
3. eine Ösophagus-Manometrie (Druckmessung der Speiseröhre)
4. ggf. eine Röntgenuntersuchung der Speiseröhre.
Darüber hinaus können weitere Untersuchungen notwendig werden, falls sich bei den genannten Untersuchungen Unklarheiten ergeben.
Terminvereinbarung und Information bezüglich der notwendigen Diagnostik erhalten Sie durch die Sprechstunde unseres Interdisziplinären Bauchzentrums (IBZ).
Welche Operationen kommen in Frage ?
Die operative Behandlung erfolgt in unserer Klinik grundsätzlich durch einen laparoskopischen Eingriff (sog. Bauchspiegelungs-Operation). Die Vorteile dieser Operationstechnik für die Patienten sind geringere Schmerzen nach der Operation,eine schnellere Mobilisation, weniger postoperative Atemwegsprobleme, wenigerWundkomplikationen, weniger Verwachsungen, ein besseres kosmetischesErgebnis, ein kürzerer stationärer Aufenthalt, eine schnellere Rekonvaleszenz undggf. Arbeitsfähigkeit.
In der Regel erfolgt eine sogenannte Myotomie mit partieller Fundoplikatio, eine Operation, bei der nach Darstellung der Schließmuskelregion (siehe Abb. 1) der Muskelschlauch des unteren Speiseröhrenschließmuskels längsförmig gespalten wird (siehe Abb. 2) und dann ein Anteil der Magenvorderwand in diese geschaffeneMuskellücke eingenäht wird (siehe Abb. 3 + 4). Diese Maßnahmen erfolgen, um 1. eine Wiedervereinigung der Muskelanteile zu verhindern, 2. eine sichere Abdichtung dieses "Defektes" zu gewährleisten und 3. einem übermäßigen Rückfluß von Speisebestandteilen aus dem Magen in die Speiseröhre vorzubeugen.
Krankenhausaufenthalt und Operation :
Bei einem Vorstellungstermin in der Sprechstunde unseres Interdisziplinären Bauchzentrums (IBZ-Sprechstunde) werden die bei Ihnen bereits erhobenen Untersuchungsergebnisse besprochen, ggf. werden dann noch notwendige Zusatzuntersuchungen durchgeführt bzw. veranlasst, Sie werden von uns über das Operationsverfahren unterrichtet, durch den Narkosearzt untersucht und über das Narkoseverfahren aufgeklärt, und Sie erhalten schließlich einen Termin zur stationären Aufnahme zur Operation.
Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose. Über insgesamt 5 kleine Hautschnitte verschafftman sich Zugang zum unteren Ösophagus bzw. oberen Anteil des Magens. Unter Sicht einer Videokamera wird die Myotomie und die partielle Fundoplikatio in der jeweils erforderlichen Weise im Bereich des unteren Speiseröhrenschließmuskels durchgeführt (siehe Abb. 1-4). Danach werden die kleinen Hautschnitte mit Nähtenverschlossen und mit einem sterilen Pflaster verbunden.
In der ersten Phase nach der Operation bleiben Sie nüchtern und erhalten Infusionen.Mit dem Kostaufbau wird nach ärztlicher Beurteilung begonnen. Die durchschnittliche Dauer des Krankenhausaufenthaltes beträgt bei problemlosem postoperativenVerlauf etwa 5 - 7 Tage.
Welche allgemeinen Hinweise zum Verhalten nach der Operation sind zu beachten, welche Komplikationen können auftreten ?
Grundsätzlich gelten die allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen, wie nach jedem operativen Eingriff. Aufgrund der laparoskopischen Operationstechnik werden Sie sich jedoch in der Regel recht schnell erholen und wieder Ihrer gewohnten Tätigkeit nachgehen können. Es gibt keine diätetischen Beschränkungen nach der Operation, in der Anfangsphase sollte jedoch auf eine leichte Kost geachtet werden, um die durchgeführte Reparatur nicht zu gefährden.
Nach der Operation kann es im weiteren Verlauf zu einem Wiederauftreten der Beschwerden kommen, dies geschieht in ca. 5 % der Fälle, ursächlich ist hier eine erneute muskuläre Verengung im Bereich der unteren Speiseröhre; dieses Problemkann entsprechend der individuellen Situation entweder endoskopisch oder auch erneut operativ behandelt werden. Bei ca. 5 - 10 % der Patienten können Refluxbeschwerden, d.h. Sodbrennen oder ähnliche Probleme auftreten, hier kann in allerRegel erfolgreich mit Medikamenten geholfen werden.
Wichtig ist, anzumerken, daß jegliche Behandlung der Achalasie, so natürlich auch die Operation, keine ursächliche Therapie darstellt, d.h. es kann der vorliegende Funktionsdefekt nicht geheilt werden, es können aber die Beschwerden durch dieoperative Korrektur deutlich und mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit dauerhaft gelindert oder beseitigt werden.

Abbildung 1
Abbildung 2
Abbildung 3
Abbildung 4